Fiona
Bericht

Erfahrungen im Lockdown

Die Corona-Pandemie hat unser Leben auf den Kopf gestellt. 7 FGZ-Bewohner/innen erzählen, wie sie die beiden Lockdowns erlebt haben.

Fiona, 16

«Ich bin mitten in der Ausbildung zur Hotelfachfrau im Hotel Crowne Plaza in Zürich. Ich habe mich dort im Oktober 2019 beworben und habe den Vertrag genau am Anfang des ersten Lockdowns erhalten. Die Pandemie und der Lockdown betreffen meine Ausbildung sehr. Wir hatten zu wenig Gäste und darum monatelang geschlossen – ich konnte so natürlich nicht lernen, wie es im Hotelbetrieb zu- und hergeht. Meine Berufsbildnerin gab sich zwar sehr Mühe, aber war sie in Kurzarbeit und nur zwei Tage pro Woche im Hotel. Wir Lehrlinge hatten keine Kurzarbeit und versuchten, uns irgendwie zu beschäftigen. Ich weiss auch nicht, wie das mit unseren Abschlüssen am Schluss aussehen wird – jedes Lehrjahr ist vollgepackt mit anderen Lehrstoffen. Was wird mit all den Sachen, die ich dieses Jahr im praktischen Betrieb hätte lernen müssen? Immerhin haben wir schulisch gesehen etwas profitiert. Weil der eigentliche Hotelbetrieb ausfiel, haben wir alle theoretischen Schulsachen ausführlich besprechen können. Privat haben mir die Besuche bei meinen Grossmüttern gefehlt. Wir sehen sie in der Regel oft, und sahen sie dann plötzlich wochenlang nicht mehr. Dafür hatte ich mehr Zeit mit meinen Eltern, da beide im Homeoffice waren – das fand ich gut. Der Kontakt zu meinen Freunden hat mir aber schon sehr gefehlt. Auch der FGZ-Jugendbeirat, bei dem ich Mitglied bin, konnte nicht mehr zusammenkommen. Die Lockdowns, die ganze Pandemie, waren für meine Ausbildung wirklich sehr ungünstig. Aber ich bin froh, dass ich überhaupt noch eine Lehrstelle habe. Meine Eltern und ich hatten zuerst grosse Angst, dass ich abbrechen muss.»

Sarah (38) und Aidin (54)

«Beide Lockdowns waren eine grosse Herausforderung für unsere Familie. Zum einen fiel für uns eine wichtige Routine des Lebens weg: der Arbeitsort und der Austausch mit den Arbeitskollegen. Zudem hatten wir zuhause dadurch zwei Rollen: Elternteil und Lehrer. Diese Dynamik war neu für uns – wir wurden kreativ und schufen uns weitere Rückzugsmöglichkeiten wie Spaziergänge und Ausflüge. Der Austausch war dadurch grösser, was wir als sehr positiv erlebt haben. Aidin und ich haben drei Kinder: Die älteste Tochter Anna-Lina ist 16, unser Sohn Ravi ist 12 und die Jüngste, Olivia, ist 6. Olivia konnte anfangs nicht verstehen, warum sie nun nicht mehr mit allen ihren Freunden spielen konnte. Anna-Lina konnte sich nach der Arbeit nicht mehr wie gewohnt mit Freunden treffen, Ravi dagegen schon – mit ein paar Freunden draussen. Durch den Lockdown lernte er Eigenverantwortung zu übernehmen und zeigte grosse Ausdauer im Übergangsjahr zu der Oberstufe. Auf die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium hat er sich teilweise alleine von zuhause aus vorbereitet. Zum Glück lernte er durch den Sport schon früh, mit Leistungsdruck umzugehen. Aidin und ich haben in diesem Abschnitt die Fäden zusammengehalten. Meine Hauptaufgabe sah ich im Ausbalancieren der unterschiedlichen Bedürfnisse. Rückblickend haben wir viel Gutes daraus gelernt. Aidin konnte immer noch etwa 50% vor Ort im Büro arbeiten, er war nicht komplett im Homeoffice. Diese Rückzugsmöglichkeit hat ihm geholfen. Ich selber habe per Zoom Tanzunterricht gegeben. So konnte ich für mich einen inneren Ausgleich schaffen und etwas mit der Welt im Austausch stehen. Ich plane übrigens Tanz-Workshops für alle im Quartier, die Freude an Bewegung haben. Details folgen, sobald die Pandemie ein physisches Zusammenkommen wieder erlaubt.»

Susanna (56)

«Seit 16 Jahren unterrichte ich Yoga im FGZ-Gemeinschaftsraum am Brombeeriweg. Im ersten Lockdown kam von den Teilnehmern schon nach zwei Wochen die Frage, ob wir den Unterricht nicht auf Zoom verlegen können. Da habe ich leer geschluckt. Die Technik musste ich erst mit ein paar Probeversuchen mit meiner lieben Nachbarin üben. Aber das Bedürfnis nach Yoga war einfach da. Uns war es wichtig, miteinander zu praktizieren und uns zu sehen – gerade im Lockdown. Anfangs war es für mich eine Herausforderung, vor dem Bildschirm vor mich hinzureden und mitzumachen. Über Zoom sehe ich die Details nicht und kann die Körperhaltungen der Teilnehmenden nicht korrigieren. Nun zeige ich die Asanas viel öfter vor. Als wir gemeinsam im Raum praktiziert haben, habe ich mehr die anderen korrigiert. Von meinen Yogis kamen unterschiedliche Feedbacks – die einen können sich zuhause alleine besser konzentrieren, andere finden es schwer, die Ruhe zu finden. Wenige konnten sich gar nicht mit Zoom-Yoga anfreunden. Mittlerweile haben sich die meisten mit dieser Art Unterricht arrangiert, und Zoom-Yoga ist besser als kein Yoga. Wir freuen uns alle sehr, wenn wir wieder gemeinsam im Raum praktizieren können. Das ist nur möglich, wenn mehr als 5 Personen zugelassen sind. Der Lockdown ist eine Herausforderung, sicherlich. Aber Gutes hatte es für mich auch. Da es weniger Ablenkung von aussen gab, hatte ich mehr Zeit, um innezuhalten. Neben dem Yoga auf der Matte war ich im Wald unterwegs oder auf dem See – einfach in der Natur zu sein, bedeutet für mich Yoga. Das gibt mir Kraft und Vertrauen, die schwierigen Zeiten wie einen Lockdown zu meistern.»

Cécile (81) und Hans (82)

«Die beiden Lockdowns waren für uns wahrscheinlich weniger schwer als für andere. Wir haben schnell gelernt, mit der Situation zu leben – ändern konnte man es ja nicht. Im ersten Lockdown, als alles neu war, sind wir in den ersten Wochen komplett zuhause geblieben, und unsere Kinder haben für uns eingekauft. Dann haben wir uns daran gewöhnt und gingen wieder selber einkaufen, aber immer mit Maske, Abstand und viel Händewaschen. Cécile hat in der Zeit angefangen, viel Brot selber zu backen, im Übrigen hat sich nicht viel geändert. Wir gehen sonst auch nicht ständig in Restaurants essen oder dergleichen. Aber Weihnachten zum Beispiel konnten wir selbstredend nicht feiern wie sonst – das ging ja nicht. Wir haben zwei Söhne und eine Tochter und drei Enkelkinder. Wir wären zu viele Leute für eine Feier gewesen, wir mussten «etappenweise» feiern. Schade war besonders, dass wir den 80. Geburtstag von Cécile nicht feiern konnten. Der war mitten im ersten Lockdown, da durfte man eigentlich gar niemanden sehen. Hans wurde im Herbst 82, da durfte man in kleinen Grüppchen wieder zusammenkommen. Natürlich hoffen wir, dass alles bald zu Ende ist. Aber im Grossen und Ganzen schätzen wir uns glücklich – wir sind ja zu zweit und können uns gut die Zeit vertun. Wir gingen auch in dieser Zeit regelmässig zusammen spazieren, und sonst haben wir gejasst, Rätsel gelöst oder Sudoku gespielt. Wer dies alleine oder in einer bedrückenden Wohnung durchmachen musste – das muss wirklich schlimm gewesen sein. Wir haben eine schöne Wohnung inklusive Balkon mit Blick ins Grüne, dafür sind wir sehr dankbar.»

Theresa (67)

«Bereits zu Beginn der Pandemie klärte mich meine Tochter umfassend über die Gefahren von Sars-CoV-2 auf. Sie arbeitet im medizinischen Bereich und wurde da stark mit den Auswirkungen von Covid-19 konfrontiert. Entsprechend ernst nahm ich die Situation und befolgte die Vorschriften des Bundesrates: Ich blieb zuhause und alle sozialen Kontakte fanden nur noch digital statt. Ich wohne allein, den ersten Lockdown verbinde ich daher mit grosser Isolation. Ich war auch sehr verunsichert, weil man damals noch wenig über die Langzeitfolgen dieser Krankheit wusste. Zu Beginn erledigte meine Tochter die grösseren Einkäufe, und einige jüngere Nachbarsfamilien boten sich für die kleineren Besorgungen an – das schätzte ich sehr. Was auch half, ist die Lage meiner Wohnung am Fusse des Üetlibergs: Dass wir in der FGZ von so viel Grün umgeben sind, ist wirklich ein Privileg. Die erste Welle lehrte mich, mit der Situation umzugehen. Im zweiten Lockdown fiel es mir daher leichter, mit den Einschränkungen zu leben. Ich teilte meine Zeit anders ein und gewöhnte mich an den neuen Rhythmus. Zweistündige Spaziergänge und Wanderungen gehörten zur täglichen Routine, ebenso viel Literatur und Musik. Als die Museen Anfang März wieder öffnen durften, besuchte ich als Erstes die Fondation Beyeler. Das genoss ich enorm. Hoffnung gibt mir die Impfung, selbst wenn sich diese nun allem Anschein nach verzögert. Ich freue mich sehr, wenn alles Kulturelle, das Zusammensein und Reisen wieder möglich sein werden.»

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