Wenn Willi Vogel zu seiner Frau will, nimmt er den Bus. Es sind nur wenige Stationen von seiner Wohnung an der Arbentalstrasse bis zum Gesundheitszentrum für das Alter Laubegg, wo sein Rösli (damals 99) seit 2 Monaten wohnt.
Im Laubegg angekommen, lacht die Sonne vom Himmel, und auch das Ehepaar Vogel ist bester Laune. Man will nicht glauben, dass sie 2 turbulente Monate hinter sich haben. Erst der Umzug von Rösli ins Pflegeheim, weil es nach dem Hirnschlag zu Hause nicht mehr ging. Dann ihr Oberschenkelbruch und letzte Woche noch das: Besuchsverbot im Laubegg wegen eines Virus.
Aber zurück zu diesem Frühlingstag. Die beiden haben sich herausgeputzt und sehen blendend aus. Willi im gestärkten Hemd mit Krawatte, Rösli im luftigen Shirt mit feiner Strickjacke und Blouson gegen das noch frische Lüftchen. Die 99-Jährige lacht oft durch ihre tiefgrünen Augen, erzählt mit ihnen ganze Geschichten, wenn die Worte einmal fehlen. Auf ein Kompliment an seine Frau flunkert Willi: «Die Augen habe ich mir noch nie so richtig angeschaut, verrückt ist das.» Ein feiner, manchmal herrlich ironischer Humor verbindet die beiden. Ihr hübsches Lächeln verdankt Rösli im Übrigen auch dem handwerklichen Geschick von Willi: Er war Zahntechniker und -prothetiker. «Meine Praxis an der Schweighofstrasse habe ich meinem Sohn Ueli übergeben», sagt er. Bis 2012 hat er Ueli in seiner Praxis in A›oltern am Albis bei technischen Arbeiten unterstützt.
Willi ist gut drauf: «Das ist ganz fantastisch!» oder «Ich bin gespannt …», sagt er oft während der Gespräche. Dass er mit 93 Jahren noch Tennis mit seiner Tochter Elsbeth gespielt hat, will man erst nicht so recht glauben. Aber im Buch «90plus» von Marianne Pletscher und Marc Bachmann sieht man die 2 auf Fotos beim Match. «Tennis ging besser als Fussball – die Wege sind kürzer. Na ja, am Schluss war das dann doch Seniorensport», schmunzelt er. Vor ein paar Tagen war Willi mit Tochter Elsbeth und Walti, einem guten Freund der Familie Vogel, in Bonndorf bei Überlingen am Bodensee. Walti hatte ein Auto gemietet, und dann ging es los. Ganz nach oben, «wo die Hahns 22 Willi schiebt seine Frau mit dem Rollstuhl hinaus in die Frühlingssonne. 23 wohnten», wollte Willi noch einmal hin. Willis Mutter Kresentia war eine Hahn. «Ich habe in Überlingen Schweineschnitzel mit Karto›eln und Bohnen gegessen. Das Schnitzel hat geschmeckt wie das meiner Mutter. Nie habe ich mich ihr näher gefühlt», sagt Willi. Seine Mutter starb viel zu früh, als Willi gerade mal 13 Jahre alt war.
Von den vielen Arbeitsstunden, die Rösli in der FGZ-Webstube verbracht hat und Vogels Familienbande lesen Sie im FGZ Info