Gastbeitrag
aus der Gemeinschaft
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AktionNaturReich

Metamorphose der Rüebliraupe in einen Schwalbenschwanz

Gewürzfenchel pflanzen, Raupenkasten bauen, Raupen bis zur Verpuppung füttern und den wunderbaren Schmetterling vor dem Ausflug einmal auf die Hand nehmen. Ein Experiment und Naturerlebnis für gross und klein.

Die Idee hatte ich einer Arbeitskollegin, einer Biologin, abgeschaut. Sie hatte einen Fenchel mitten ins Tomatenhochbeet auf der Bürodachterrasse gepflanzt und etwas gesagt von einer «Rüebliraupe».

Frisch geschlüpfter adulter Falter in der Grünmatt. Foto: Angela Zimmermann

Und siehe da – einige Wochen später waren da eine Handvoll dicke, grün-schwarz gestreifte Raupen. Zu Hause machten wir das sofort nach – samt Aufzucht der wunderschönen Sommervögel. So einfach geht es: Ein Gewürzfenchel ins Gartenbeet oder in einen grösseren Balkontopf pflanzen. Auch Rüebli, Dill und wilde Möhre nutzen die Falter zur Eiablage.

Schwalbenschwanz bei der Eiablage auf Gewürzfenchel. Foto: Angela Zimmermann

Ein Raupenkasten selber bauen oder ein Aerarium online bestellen «Aerarium online bestellen». Dazu ein grosses Konfitürenglas mit einem Loch im Deckel und ein kleines flaches Trinkgefäss, in dem die Raupen nicht ertrinken können, bereitstellen.

Selbst gebauter Raupenkasten mit Konfitüreglas und Raupe auf Fenchel. Foto: Angela Zimmermann

Kinder mit Adleraugen sehen vielleicht schon bald ein kleines rundes, gelbes Ei auf einem Fenchelblatt.

Wer sieht das Ei? Foto: Angela Zimmermann

Ab und zu schauen, ob eine kleine schwarze Raupe mit einem weissen Punkt (Tarnung als Vogelkot) auf den Fenchelblättern sichtbar ist.

1-2 Tage altes Räupchen mit weissem Fleck (Vogelkot imitierend) zum Schutz vor Fressfeinden. Foto: Angela Zimmermann

Etwa alle sieben Tage häutet sich die Raupe und wird dabei immer heller und farbiger, bis sie ihr typisches schwarz-grünes Kleid mit orangen Punkten trägt.

Mittelgrosse Schwalbenschwanzraupe auf Fenchel im Gemüsebeet. Foto: Angela Zimmermann

Den Fenchelzweig samt dem Ei oder den kleinen Räupchen abschneiden und in das mit Wasser gefüllte Konfitürenglas im Raupenkasten stellen. Raupenkasten in den Schatten stellen und gut verschliessen, die Raupen suchen gerne das Weite. Jeden Tag frische Fenchelzweige ins Aerarium geben und Raupen mehrmals täglich mit Wasser besprühen, vor allem bei heissen Temperaturen.

Puppe hat sich aufgehängt und kurz darauf verpuppt (rechts). Foto: Tanja Schmid

Nach etwa drei bis vier Wochen hängt sich die Raupe an einem Faden befestigt (Seidengürtel) am Fenchelzweig, am Raupenkasten oder an einem dafür bereit gestellten Ast auf und verpuppt sich. Kurz vor der Verpuppung scheidet die Raupe viel Kot aus und kriecht danach unruhig umher.

Zufallsfund: Puppe überwintert an Blumentopf auf Terrasse. Foto: Angela Zimmermann

Nach weiteren zwei bis drei Wochen schlüpft die Raupe. Kurz vor dem Schlüpfen wird die Puppenhülle durchsichtig und man erkennt die Flügelzeichnung. Dann mehrmals täglich prüfen, ob der Schmetterling schon geschlüpft ist oder gerade am Schlüpfen ist.

Nach dem Schlüpfen pumpt der Falter etwa 30 Sekunden lang Körperflüssigkeit in seine Flügel, bis diese erhärtet sind. Foto Mirijam Spendov.

Sobald seine Flügel flugbereit sind, den Schmetterling rausflattern lassen oder ihn vorsichtig auf die Hand nehmen.

Erstaunlich – die Falter bleiben eine Weile sitzen, bevor sie davonfliegen. Foto: Angela Zimmermann

Welches ist die richtige Jahreszeit?

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) gehört zur Familie der Ritterfalter. In einigen Kantonen ist er geschützt, im Kanton Zürich nicht. In unseren Breiten fliegt er in zwei Generationen von April bis August. Die erste Generation schlüpft im Frühling. Deren Nachkommen – der zweiten Generation – kann man ungefähr im Juli beim Schlüpfen zusehen. Diese zweite Generation überwintert als Puppe und schlüpft im Frühling des nächsten Jahres. Der Kreislauf beginnt von vorne. Die Puppen sollte man nicht ins Haus hereinnehmen. Sie würden sonst mitten im Winter schlüpfen.

Frisch geschlüpfter Falter. Foto: Angela Zimmermann

Seit unserem ersten Mal haben wir oder unsere Nachbarn jedes Jahr Schwalbenschwänze im Kasten (mehr Informationen zu Schwalbenschwänzen. Es ist ein solch phantastisches Spektakel, dass man nicht genug davon kriegen kann. Fenchel sind mehrjährig. Wir lassen sie jeweils blühen. Das sieht wunderschön aus und zieht viele Marienkäfer an. Auch im Winter ist der Samenstand des Fenchels eine Pracht und dient Insekten als Überwinterungsort. Erst wenn der Fenchel neu austreibt, schneide ich ihn zurück. Die verdorrten Stängel kann man ans Himbeergerüst oder Balkongeländer binden als Kleinstruktur für Insekten und Vögel.

Samenstand des Fenchels im Winter. Foto: Danny Hummel

Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen, Anregungen oder Ideen für weitere Artikel! Schreiben Sie uns auf aktionnaturreich@fgzzh.ch

AktionNaturReich

Die ständige Mitwirkungsgruppe ANR informiert und sensibilisiert im Bereich Natur. Im Fokus steht dabei die Bedeutung der biologischen Vielfalt, der sorgsame Umgang mit Pflanzen und Tieren sowie die naturnahe Gestaltung und Pflege der Hausgärten, Sitzplätze, Balkone, Hochbeete oder Pflanzflächen.

 

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