Am kühlen Frühlingsabend fanden sich FGZerInnen ein, um den Ausführungen von Frau Madeleine Geiger, Biologin und Mitarbeiterin von SWILD, zu lauschen. Sie erzählte über den Zusammenhang zwischen der Artenvielfalt, den Wildtieren und unseren Hauskatzen. Zuerst informierte sie uns, dass unsere Hauskatzen vor mehr als 9000 Jahren domestiziert wurden. Alle unsere Stubentiger stammen von der afrikanischen Wildkatze, der Falbkatze ab, und nicht etwa von der Europäischen Wildkatze.
Der horizonterweiternde Vortrag beleuchtete die positiven wie auch die nachteiligen Aspekte der Hauskatzen und stellte klar, dass der Mensch durch die Verstädterung und Zersiedelung immer weiter in den Lebensraum der Wildtiere eindringt. Im Gegenzug werden die Städte für Pflanzen und Wildtiere immer wichtiger. Der positive Effekt der Katzen auf unsere geistige und körperliche Gesundheit, ist unbestritten. Für einen einsamen Menschen kann ein «Stubenchätzli» die nötige Gesellschaft bieten und das Streicheln des weichen Felles und das Hören ihres Schnurrens wirkt sicherlich beruhigend. Unter den nachteiligen Aspekten wird die weite Verbreitung und grosse Zahl der Hauskatzen und der damit in Zusammenhang stehende Konflikt mit einheimischen Wildtieren deutlich.
Objektive Studien zu den Auswirkungen auf die Wildtierbestände gibt es wenig. Aspekte wie der Katzenkot auf Spielplätzen und in Gartenbeete, sind offenkundiger.
Viele Vögel, Nagetiere, Insekten, Eidechsen und Blindschleichen gehören zu unseren einheimischen Wildtierarten. Einige dieser Arten bevölkern in unser immer enger werdenden Wildnis auch den Siedlungsraum. Aus den Ausführungen von Frau Geiger ging deutlich hervor, dass die Artenvielfalt in der Schweiz allgemein gefährdet ist. Obwohl Katzen im Allgemeinen Tiere erbeuten, die relativ häufig sind, gibt es doch bestimmte Tiergruppen, die durch Katzen besonders gefährdet sind: z.B. junge Vögel, Bodenbrüter und Vogelarten, die ausschliesslich Nahrung auf dem Boden suchen. Bei den Kriechtieren erwischt es vorwiegend die langsameren Arten und diese vor allem in den kalten Morgenstunden, wenn sie noch nicht so flink sind.
Während der Fortpflanzung kann die blosse Anwesenheit einer Katze im Garten einen Nachteil für die Vogelfamilien darstellen, da die Vogeleltern gestresst sind und ihre Jungen nicht mit der nötigen Nahrung versorgen können.
Die Hauskatze gehört zur Gruppe der Raubtiere, auch wenn sie unser liebes Büsi ist. Ihren Jagdinstinkt hat sie im Verlauf der Domestizierung nicht abgelegt. Das Jagen und Töten bei einem wildlebenden Raubtier sichert sein Überleben. Bei unseren Hauskatzen ist dieser Trieb selbst bei guter Fütterung oft noch vorhanden. Die Betrachtung der Katze im ökologischen Zusammenhang ist wichtig, weil sie – genauso wie alle anderen Tiere im Freiland – ein Glied in der Nahrungskette ist. Ihr Treiben wirkt sich unweigerlich auf die anderen Glieder in dieser Kette aus. Am Beispiel der Vögel wird deutlich, dass der Verlust von Nahrung, z.B. durch das Insektensterben (bedingt durch z.B. Lebensraumverlust, Pestizide, pollenarme Begrünung und übertriebene Reinlichkeit im Garten) sowie Kollisionen mit Glasscheiben und Verlust von Nistplätzen bei Gebäudesanierungen oder Neubauten, schädlich für die Bestände sein können. Kommt dann noch eine grosse Anzahl Katzen hinzu, können gewisse Wildtierbestände unter Druck geraten.
Verwilderte Hauskatzen konnten auf Inseln im Pazifischen Ozean einzelne Arten auslöschen.
Ob es in der FGZ zu viele Katzen habe, ist nicht schlüssig zu sagen. In zahlreichen Etappen hört man immer wieder, dass es eindeutig zu viele Katzen in der Umgebung gebe. Bewohner zahlreicher Etappen beklagen die unangenehmen Katzenkote, die raubenden Katzen und das Revierrufen/ die Revierkämpfe der Kater. Nach der Auswertung von 2017 hat es in der FGZ 500 – 1200 Hauskatzen/ km2. Im Siedlungsraum der Stadt Zürich (2008 Telebusumfrage der Mars Schweiz AG) wurden 430 Hauskatzen mit Zugang ins Freie / km2 gezählt. Im Vergleich dazu hat es maximal 11 Füchse pro km2.
Kein anderes Raubtier ist so häufig anzutreffen wie die domestizierte Katze.
Die FGZ strebt an, nachhaltig mit unseren Grünflächen umzugehen. Wir sind mit einem Label von «Natur & Wirtschaft» ausgezeichnet und das Gärtnerteam pflegt mit grosser Fachkenntnis und Sorgfalt den Grünraum. Bei der Neuplanung von Etappen oder bei Aufwertungen älterer Etappen ist es ein ernsthaftes Anliegen der FGZ, mehrheitlich einheimische Pflanzenarten zu setzen, die z.B. Insekten als Nahrung dienen. Altbaumbestände werden erhalten, weil diese als Lebensraum vieler Kleintiere und Insekten dienen. Bei Sanierungen oder Neubauten werden die naturnahen, schonenden Aspekte mit einbezogen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass alle erleichtert waren, sachlich über die Stubentiger und Raubtiere diskutiert zu haben. Denn: Es ist nicht nur die Familie von der Diskussion betroffen, die eine Katze besitzt, sondern auch Menschen und Tiere in deren näheren und weiteren Umgebung. Es gilt Verantwortung und Respekt für diese Tatsache zu entwickeln. Und zum Schluss ein Zitat von Frau Geiger aus ihrem Artikel im Beobachter vom 24. Mai: «Ich bin überzeugt, dass die Artenvielfalt auch vielen Katzenhaltern und -halterinen am Herzen liegt.»
Die ständige Mitwirkungsgruppe ANR informiert und sensibilisiert im Bereich Natur. Im Fokus steht dabei die Bedeutung der biologischen Vielfalt, der sorgsame Umgang mit Pflanzen und Tieren sowie die naturnahe Gestaltung und Pflege der Hausgärten, Sitzplätze, Balkone, Hochbeete oder Pflanzflächen.
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